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Nur echt aus  Blech

Wilde Zeiten         



Unvergessliche 60er und 70er Jahre


1966, mit 16 Jahren machte ich den Führerschein KL4 für Kleinkrafträder. Die ersten Fahrversuche machte ich mit dem Göricke-Moped eines Onkels. Da ich als Installateur-Lehrling immer auf wechselnden Baustellen arbeitete, kauften mir meine Eltern eine Herkules K50 Sport.

Daran wurde geschraubt und verändert, was das Zeug hielt. Ein 50 ccm Zylinder mit breiteren Kühlrippen, sowie die hoch gezogene Auspuffanlage der fast Baugleichen DKW RT 159. Ein Alu-Schutzblech der 125er Honda CB92 durfte natürlich auch nicht fehlen.Der Tank von dieser Honda passte leider nicht wegen dem Rahmen. Also baute ich mir (Flaschner-Kenntnisse hatte ich ja) aus Kupfer einen schönen, langen Renn-Tank samt dazu passender kurzer Höcker-Sitzbank.

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Mit meinem Schulkameraden und besten Freund Jürgen(Piper) zusammen fuhren wir mit unseren beiden Herkules K50, und mit Zelt, zu jedem Motorrad-Rennen auf dem Hockenheim-Ring. Hauptsächlich wegen dem Reutlinger Motorrad-Rennfahrer Gert Bender. Er war nur ein paar Monate älter als wir, aber ein hoch begabter Fahrer und Konstrukteur. Und ein Super Sympathischer Typ. Durch ihn kamen wir auch immer in das Fahrerlager. Das war jedesmal ein Highlight.

Bei den Rennen war natürlich stets Gert Bender unser absoluter Favorit. Danach kamen die Motorrad Rennfahrer-Legenden Mike Hailwood und Giacomo "Ago"Agostini auf den MV Agusta`s. Bei den Seitenwagen-Gespannen waren Helmut Fath und sein Co-Pilot Wolfgang Kalauch auf der "URS" unsere Top-Piloten. Nicht zu vergessen ist der sehr erfolgreiche Hans Georg Anscheidt. Zuerst auf 50 ccm Kreidler Rennmaschinen Europameister und Vize-Weltmeister. Danach auf 50 ccm Suzuki Rennmaschinen Weltmeister. Diese Legenden in life erlebt zu haben, vergesse ich mein Leben lang nicht.

Auf dem Campingplatz beim Ring gab es stets die neuesten Motorräder zu sehen. Am meisten haben es uns die Japanischen 250er und 350er 2-Takter von Suzuki und Yamaha angetan. Auch die Italienischen Hersteller brachten schöne neue Modelle (z.B. die 250er Aermacchi "Ala verde")auf den Deutschen Markt.


1968, mit 18 Jahren machte ich die Führerscheine 3 +1 für PKW und Motorrad und übernahm die Puch 250 SGS von meinem Bruder, der damals wegen Familien-Gründung auf Auto umgestiegen ist.






 

Natürlich war ich als Zweirad-Freak Bei den "Rangers", einem Verein mit überwiegend Motorrad -und Moped begeisterten Heranwachsenden im Reutlinger Jugendhaus( heute Bastille) in der Rommelsbacher Straße. Hier gibt es die Geschichte des Jugendhauses.

Unsere Wochenenden verbrachten wir überwiegend im Lautertal beim Wildcamping rund um Anhausen / Indelhausen.Das ging damals alles noch, meist mit Erlaubnis der Grundstücksbesitzer. Wir wollten ja mit niemand Ärger bekommen.

Es war einfach eine unvergesslich schöne Zeit. Sogar vier bis heute haltende Ehen entstanden daraus.

Die schöne Herkules K50 Sport vorne rechts war mal meine. Die habe ich einem Freund verkauft, von dem ich 45 Jahre später meine Vespa PX80 erstand. Das Leben ist ein Karussell.             




 

Das war unser Vereins-Logo

Rangers_Logo_2.jpg groß
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1969 kam der Kultfilm "EASY RIDER" in die Kinos. In Reutlingen lief er im "PLANIE" Kino in der Gartenstraße in Reutlingen. Wir Rangers waren danach ausnahmslos mit dem Virus und dem Drang nach Freiheit und anders sein infiziert.

Natürlich brauchte man jetzt auch an unseren Motorrädern Hochlenker und vorverlegte Fußrasten usw. Was halt zu einem echten Easy Rider gehört.

Als gelernter Installateur war es für mich kein Problem, aus 1/2 Zoll Heizungsrohren die passenden Lenker zu biegen. Von da an waren wir die Kings im Lautertal.

Ausser uns gab es zu der Zeit kaum Motorradfahrer, die jedes Wochende mit ihren Horex, Adler, Puch, Hercules, Kreidler, Honda, Zündapp und Dkw Blechbananen die fast leeren Lautertal-Straßen beheizten.Helm-Vorschriften gab es damals auch noch nicht. Es war cool, mit Flieger-Haube, Semanns-Mütze, Cowboyhut, Indianerfeder oder Weltkriegs-Stahlhelm herum zu fahren.

Wo wir auftauchten, wurden wir bestaunt, als wenn wir von einem anderen Stern kommen würden. Zumindest bildeten wir uns das ein.




Das war unsere tolle Zeit:   

Ansehen, anhören und einfach genieeeeesen !!

https://www.youtube.com/watch?v=Ld1l4Ud7jp8 

https://www.youtube.com/watch?v=egMWlD3fLJ8

https://www.youtube.com/watch?v=5xFgyGy6O7c

und immer wieder reinziehen !!





Im Sommer 1969 durfte ich mir, bevor ich zur Bundeswehr eingezogen wurde, Dieters Honda CB 450 "Black Bomber ausleihen. Danach war ein Fiat 500 Bj. 1957, mit Selbstmördertüren, das Fahrzeug, das mich über ein Jahr in die Kaserne nach Pfullendorf und wieder zurück nach Reutlingen brachte. Meist mit Co-Pilot . Den Berg runter lief das Hopserle 120 km/h aber hoch mit meistens zwei Personen und nur 17 PS.......Aber Spass gemacht hat es trotzdem, wenn das Fiat´le lief.

Das war halt nicht immer der Fall.  Die "Nur Vollgas"-Fahrten in das ca.85 Km entfernte Pfullendorf bekamen der untermotorisierten Kleinen nicht gut. Irgendwann waren die Pleuellager so ausgeschlagen, dass die Kolben an die Zündkerzen klopften. Ja das wars dann. Da wäre die Abarth-Version geeigneter gewesen. Oder auch "so was" Aber für einen armen Gefreiten leider etwas zu teuer. Träumen darf man ja. Und in der Not reichen ja auch zwei "Hayabusa" -Motoren.





1973 kauften sich gleich drei "Rangers" die neue Honda CB 750 mit 4 Zylindern und 67 PS und einem Hammer-Sound. Das war eine völlig neue Dimension. Nach den bis dahin lange Zeit Konkurrenzlosen BMW R50/5, R60/5 und R75/5 Gummikühen. ( von 1969 bis 1973 gebaut )

Am 25.November 1973, dem ersten Auto freien Sonntag fuhr eine kleine Delegation der "Rangers" mit dem Schlafwagen nach Mailand zur internationalen Motorradmesse. Hauptgrund war die Vorstellung der 6-Zylinder Benelli SEI 750. Und die Kawasaki 900 Z1 Super Four mit 82 PS.

Zurück in Reutlingen habe ich die Z1 900 sofort bei Erich Zeiler in Betzingen bestellt. Bei ihm war ich schon Kunde mit meiner giftigen 2-Takt drei Zylinder 500er H1a Mach 3.

So bekam ich Im Frühjahr 1974 eine der ersten in Deutschland ausgelieferten Exemplare der "Frankensteins Tochter". Unbändige Power in einem viel zu schwachen Fahrgestell. Dies wurde mir im August 1974 zum Verhängnis. Dann war viele Jahre Schluss mit Motorrädern.


 


Durch Familiengründungen schlief das Thema "Rangers" für einige Jahre. Vier Paare hatten sich während der "Rancherzeit" im Jugendhaus (später Bastille) in der Rommelsbacher Straße kennen-und lieben gelernt.

Und alle vier Ehen bestehen bis heute immer noch !!

Seit ca. 15 Jahren treffen wir uns wieder regelmässig  ein-bis zwei Mal im Jahr. Oft in gewohnter Umgebung im Lautertal, aber auch mal im Schwarzwald oder im Bayrischen Miesbach bei Vera und Jürgen.

Auf den Fotos erkennt man, wie die Körperpflege Geschlechter-Spezifisch gehandhabt wird.

Die Frauen beim Baden in der Lauter - Die Männer beim Würstle grillen wollen.

Man beachte die Vorfreude in den Gesichtern der Männer - darauf, daß die Frauen bald kommen werden und fachgerecht die Würstle auflegen. So sind sie halt !!

 

Fotos von unserem Treffen 2006 unter den Kastanien im Garten des Gasthof KARZ in Reutlingen.

Grund des ausserordentlichen Treffens war der Besuch unseres Rangers-Kameraden Fritz, der vor vielen Jahren nach Australien auswanderte. Fritz ist "Der mit dem Roten Hemd".

Nach so vielen Jahren gab es natürlich sehr viel zu erzählen und die eine oder andere, in Vergessenheit geratene Geschichte wieder aus der Erinnnerung zu holen.

Es war jedenfalls ein sehr lustiger und kurzweiliger Abend, der sich im Sinne aller dabeigewesenen, und auch denjenigen, die an dem Abend nicht dabei sein konnten, hoffentlich nochmal widerholen dürfte.

Ganz Herzliche Grüße von allen an den alten Weggefährten Fritz in Australien.



Der Rückfall 1993

Einen schweren Rückfall erlitt ich beim Besuch einer Ausstellung in der Reutlingen Eissporthalle.

Die Firma Vöhringer aus Holzelfingen stellte zwei von ihnen gebaute Trikes (Dreirädle mit VW-Boxermotor) aus.

Meine Familie war beim Anblick dieser heissen Geräte sofort entschlossen, eine Probefahrt zu buchen. Da konnte ich einfach nicht Nein sagen. Es wurde sogleich vor Ort ein Termin über zwei Tage Trike-fahren am Vatertags-Wochenende ausgemacht.


Diagnose

Die ganze Familie ist infiziert.

Für uns Eltern ist die Dreirad-Zeit ja schon viele Jahre her. Daher sollten wir eigentlich immun dagegen sein.

Von wegen: das Dreirad-Fieber erwischte uns genauso wie unsere beiden Kinder. Die Erinnerungen daran sind für alle Zeiten in unseren Köpfen eingebrannt.

Fazit

Für die meisten Vierrad-Fahrer hat ein Dreirad-Fahrer  "ein Rad ab"

Wir Dreiradler können darauf nur antworten: "Es gibt nicht Geileres" und absolut "Cool" ist es obendrein.

Einmal Dreirad - immer Dreirad - Impfen dagegen: Sinnlos. Siehe auch: "Meine Ape und Vespa"